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Fri, 24 Jul 2009 - 18:40
Dockville - ihr habt mich ueberzeugt
Okay, ich bin endgültig überzeugt: Für den Preis gehe ich hin: Ermäßigte Karten für Eingeborene.
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Kattwykbrücke wieder befahrbar
Unglaublich aber wahr, nach fast einem Jahr Ausfall wegen eines Defektes ist die Kattwykbrücke jetzt wieder befahrbar. Und zwar für alle Verkehrsträger, die so damit zu tun haben, also Bahn, Schiff und Strassenverkehr.
Interessant ist, das man da ein Jahr dran repariert hat, obwohl schon seit Jahren im Gespräch ist die Brücke vollständig zu ersetzen, um endlich Schiene und Strasse zu trennen (zur Zeit fahren da die Züge auf der Strasse oder die Autos auf den Schienen, jenachdem wie man das sehen will, was nicht nur für Motorradfahrer gewisse Probleme bereitet). Wäre ja eigentlich eine gute Gelegenheit gewesen das zu machen, aber so spontane Aktionen sind in einem großen Verwaltungsapparat, wie Strom- und Hafenbau das ist, wohl schwer umzusetzen.
Achja, auch die Neuhöher Klappbrücke (Hier im Hintergrund zu sehen) klappt wieder einwandfrei und kann befahren werden. Auch die brauchte ja eine längere Reperatur deren Endtermin wild durch die Gegend geschoben wurde (mal vor und mal zurück).
Die einzige bewegliche Brücke, die relativ konsequent funktioniert ist die Rethe Hubbrücke - und weil die als einzige keine Dauerausfälle zu beklagen hat, soll sie als erstes durch eine weniger störanfällige Konstruktion ersetzt werden. Klingt komisch, ist aber so.
Die Sturmflutsaison hat begonnen
Als Marschbewohner in Hamburg hatte man dieser Tage wieder die
Sturmflutmerkblätter im Briefkasten. Wer keines abbekommen hat kann sich
auch online informieren, und zwar entweder bei der "Hamburg Port
Authority" (das ist Strom- und Hafenbau, die haben jetzt einen hipperen Namen)
oder man holt sich die aktuellen Sturmflutmerkblätter direkt bei der Behörde
für Inneres und druckt sie selber aus.
Drücken wir die Daumen, daß der Fluß sich diese Saison nicht versucht zurückzuholen, was wir uns ohne zu fragen geliehen haben.
Viel ist von der IBA auf
Wilhelmsburg ja noch nicht zu sehen, obwohl ich dachte das die Planungen
seien die ersten Bauvorhaben schon voll im Gange zu haben. Aber außer viel
Gerede darüber was man machen könnte und machen müsste ist eigentlich nur
ein Sichtbares Zeichen vorhanden: Ein echt großes Plakat (siehe Photo).
Schauen wir uns also mal den Masterplan für die neue Mitte von Wilhelmsburg an: Der Stadtteil soll aufgewertet werden und mit hohem Freizeitwert ausgestattet. Deswegen verschwindet erstmal die Schwimmhalle. Nachhaltig wertet man einen Stadtteil nämlich durch einen Bootsanleger auf (der während der IBA dann ein paar Wochen angefahren wird und dann nie wieder). Wieso sollen die Kinder noch schwimmen lernen, wenn es da dann einen Bootsanleger gibt - können dann ja Boot fahren. Scheint insgesamt gut durchdacht.
Erreicht wird der Anleger übrigens durch den Asmann- und Ernst-August-Kanal. Ziemlich flache Gewässer mit einigen niedrigen Brücken. Mal sehen, ob dran gedacht wird die tollen neuen Fußgängerbrücken alle so zu bauen, daß Barkassen durchpassen und ggf. den Asmannkanal auch tief genug zu machen. Achja, die Schleuse, durch die man durch muß um in den Ernst-August-Kanal zu kommen entspricht übrigens nicht mehr den aktuellen Hochwasserschutzrichtlinien, wenn ich das richtig sehe. Kann man dann gleich mal renovieren und für einen sinnvollen Betrieb austatten, ansonsten fahren die Barkassen nämlich maximal einmal am Tag da hin, so selten wie die Schleuse bedient wird - besonders an Wochenenden.
Man hat aber kleine Probleme erkannt, und deswegen gibt es auch noch (TUSCH!) den Masterplan PLUS. Da ist dann auch noch die Wilhelmsburger Reichsstrasse aus dem Bild verschwunden. Eine der wichtigsten Einfallsstraßen für den südlichen Raum Hamburgs in die Innenstadt. Was mag da der Plan sein? Wer sich noch leisten kann im Süden zu wohnen, wenn wir ihn fertig aufgewertet haben, braucht nicht mehr arbeiten? Oder wird es so schön, daß keiner mehr zur Arbeit will?
Meine Meinung ist und bleibt: Das ist Stadtteilvernichtung. Da wird weitergemacht, was schon bei der City-Nord Blödsinn war und bei der Hafencity Blödsinn wird (Elbinselcity wäre doch ein schöner Name, klingt so hipp). Man will alles auf einmal anpacken und hofft dadurch auf einen schönen Stadtteil. Bestenfalls bekommt man so aber ein weiteres Latte-Macciato-Ghetto - oder, wenn es schlecht läuft eine Bauruine. Meine Hoffnung sind nur die Einwohner hier, die bis jetzt relativ stumpf den Aufwertungsversuchen widerstanden haben. Hoffentlich schaffen sie es auch gegen diese städteplanerische Großoffensive.
Eine wirkliche Aufwertung des Stadtteils könnte man durch eine bessere Anbindung an den ÖPNV erreichen, damit wäre den Menschen tatsächlich gedient. Zum Beispiel durch Umsetzung der 2. Planung der U4, wie hier beschrieben. Damit würde der größte Stadtteil Hamburgs endlich nicht mehr mit nur einem S-Bahnhof auskommen müssen.
Newsflash: Die Elbinsel Wilhelmsburg könnte zu einer Insel werden
Danke BILD!, gerne würde ich daran glauben, daß ihr hier einen Spaß machen wolltet, als ihr diesen Artikel schriebt, aber ich befürchte ihr wisst es tatsächlich nicht besser:
"Wilhelmsburg droht sogar zu einer Insel zu werden" heißt es in dem Artikel. Ich befürchte die Drohung hat schon jemand wahr gemacht und Wasser rund um den Stadtteil gelegt. Kann man hier auch ganz gut erkennen.
Vertreibung heißt jetzt Gentrifizierung
Auf Spiegel-Online habe ich einen sehr lesenswerten Artikel zum angeblich so wünschenswerten Sprung über die Elbe gefunden. Hier mal ein Auszug:
Die Mieten steigen, die angestammte Klientel kann sich das Leben im Viertel nicht mehr leisten. Erst kürzlich haben mehrere Hamburger Stadtteilinitiativen die Folgen der Gentrifizierung beklagt: Die Politik müsse endlich dafür sorgen, dass die zentrumsnahen Viertel nicht alle zu teuren "Latte macchiato"-Kiezen mutierten. Der Ruf verhallte ungehört.Als vermeldet wurde, dass der Migrantenanteil wegen des studentischen Zuzugs gesunken sei, bezeichnete die CDU die Elbinsel als neues "In-Viertel". Eine krude Logik, nach der in ist, wo Ausländer und Arme out sind.
Den ganzen Artikel gibt es hier.
Ich weiß nicht, wozu es nötig sein soll den Sprung zu machen - ist ja nicht so, daß die Elbinsel Wilhelmsburg jetzt eine menschenleere Wüste wäre. Und die jetzigen Einwohner kommen eigentlich ganz gut klar, auch wenn die Marketingschaben und Unternehmensberatungsheuschrecken sich nicht über die Elbe trauen. Lasst die doch einfach in ihren Eimsbüttel-Altbauten wohnen bleiben, mit Klos in Martinskammern in denen man sich nicht umdrehen kann und dafür 1000Euro (kalt) zahlen und versucht nicht Wilhelmsburg zu einem gleichgeschalteten weiteren Stadtteil dieser Machart werden zu lassen. Eine Stadt ist interessant, wenn sie vielseitig ist, nicht wenn alle Stadtteile auf das gleiche Klientel optimiert werden.
Mag für Politiker schwer zu glauben sein, aber nicht alle jungen Leute sind Kinder reicher Eltern, so wie eure. Und eine Stadt muß auch noch für die anderen Raum zum Leben bieten.
Auf der Suche nach dem vorgesehenen Gebiet für den Bebauungsplan "Wilhelmsburg 86" bin ich auf eine Webseite mit allen aktuellen Bebauungsgebieten in Hamburg gestossen, nämlich diese hier. Die Bedienung ist schrecklich, aber sehr gutes Kartenmaterial, mit sehr hoher Auflösung liegt da hinter. Es lohnt sich also mal reinzuzoomen, wenn man zum Beispiel wissen will, wie hoch das eigene Wohngebiet so liegt.
Die Strasse vor meinem Haus liegt zum Beispiel auf NN+1,8m - Da weiß man ja, wo einem die Flut so manches mal stünde, wenn es keine Deiche gäbe.
Pünktlich zum meteoroligischen Frühlingsanfang hat die Nordsee nochmal in
Hamburg angeklopft. Hoffentlich der Abschiedsbesuch für diese
Sturmflutsaison. Das Bild am linken Rand zeigt den Pegelstand - da es schon
dunkel war musste ich etwas länger belichten - und da bei Wind das Wasser
einfach nicht stillhalten will ist leider keine klare Kante unten zu
erkennen, also irgendwo da wo der übergang ins schwarze ist hat es sich
eingependelt.
Der Pegel ist auf Seekarten-Null geeicht, also auf den niedrigsten Wasserstand, den durch die normale Tide gibt. Solche Pegel stehen an vielen Stellen an der Elbe (praktischerweise sind die alle auf einen anderen Nullpunkt geeicht, deswegen steht das immer oben dran) und erlauben es allen interessierten den aktuellen Wasserstand abzulesen. Ein wichtiges Hilfsmittel besonders, wenn man auf dem Wasser unterwegs ist, da man damit die Werte aus der Seekarte umrechnen kann um aktuelle Brückendurchfahrtshöhen und Wassertiefen zu berechnet. Heute war das Wasser sehr tief und einige Brücken waren sehr flach. So flach, das man da nicht mal mehr mit dem Kanu durchkommt.
Auf obigem Bild sieht man zum Beispiel das südliche Tor der Reiherstiegschleuse. Oder genauer gesagt, man sieht noch das obere Geländer des Tores und die Brücke, die darüber hinweg führt. Das Tor selber ist vollständig in der Sturmflut versunken. Durch diese Schleuse fahren normalerweise noch übliche Binnenschiffe, wie man sie auf allen großen Binnenwasserstraßen in Deutschland sieht. Bei dem heutigen Wasserstand dürften diese aber Probleme bekommen, wenn sie unter der Brücke durch wollen. Die Laterne auf dem Bild, steht übrigens auf der "Schleuseninsel", die die beiden Schleusenkammern trennt - normalerweise.
Da man in Hamburg allerdings das Problem mit Sturmfluten kennt, nimmt man diese Situation nicht kampflos hin. So begannen die Vorbereitungen schon gestern. Hier wurden zum Beispiel kritische Infrastrukturelemente von allen Baustellen in der Hafencity schonmal gesammelt und zum Abtransport vorbereitet.
Die Elbmarschen sind inzwischen nahezu vollständig eingedeicht, damit das Wasser nicht im Haus steht, auch wenn es mal ein wenig steigt. Ich habe auch das versucht auf einem Photo einzufangen, aber leider kann man in diesem zweidimensionalen Medium nicht gut erkennen, wie das Höhenverhältnis von Haus und Wasser ist. Aber hier sieht man wirklich einen guten Grund warum es heißt "wer nicht deicht, der weicht".
Viele Nebenarme der Elbe werden nicht vollständig eingedeicht, sondern macht einfach den Zulauf bei bedarf mit einem Sperrwerk dicht. Auch dies ist eine gute Methode den blanken Hans draußen zu halten. Diese massiven Stahltore werden geschlossen, wenn ein Wasserstand erreicht wird, der das Hinterland an diesen Nebenarmen bedroht - der exakte Wasserstand ist von Tor zu Tor unterschiedlich. Auch hier mal bilder von einem solchen Sperrwerk im geschlossenen Zustand (dies ist das Modell Sperrtor, das zum Verschluß der Kanäle auf der Veddel und auf der Peute eingesetzt wird, es gibt auch noch andere Modelle in Hamburg):
Doch trotz all dieser Maßnahmen spürt man eine solche Sturmflut natürlich in Hamburg. Nicht nur, weil viele Straßen gesperrt werden müssen, sondern auch weil im Hafen einiges nicht mehr seinen normalen Gang geht. So können Schiffe nicht fahren weil sie nicht mehr unter Brücken durchpassen und auch Containerterminals müssen pausieren - zum einen schwingen die Container bei dem Wind an den Containerbrücken unangenehm stark, zum anderen schwimmen die Schiffe unangenehm weit oben, was dazu führen kann, das sie gegen die Containerbrücke stoßen. Deswegen muß die Arbeit eingestellt werden um die Brücken durch hochklappen aus dem Weg zu bekommen. So kann man dann ein seltenes Bild sehen: Fast leere Containerschiffe - normalerweise werden die in so großer Geschwindigkeit beladen, daß man sie nicht leer zu Gesicht bekommt.
Aber insgesamt ist auch diese Sturmflut glimpflich abgegangen. Obwohl uns stetig erklärt wird, daß die Wetterkatastrophen immer schlimmer werden hatten wir in diesem Jahrtausend noch nicht eine große Sturmflut (groß heißt für mich, mit einem Pegelstand von mehr als 5,5m über NN). Wahrscheinlich werden garnicht die Katastrophen größer, nur die Berichterstattung über sie. Die großen Fluten bisher waren:
Wie man sieht, gab es seit dem Jahr 2000 keine Sturmflut, die diese Marke durchbrochen hat. Und wie man auch sieht, werden die Fluten nicht stetig häufiger, oder stetig seltener, sondern kommen einfach so, wann es ihnen in den Kram passt.
Ich wurde heute Zwangsumgesiedelt. Kann keine große Veränderung festellen. Nur ganz schön windig hier, im Bezirk Mitte.